Der Neubau der JVA Realta in der Mitte des Domleschg ist nicht unumstritten. Die Bevölkerung wurde nie gefragt, ob sie das will.

Besonders fraglich erscheint vielen, ob der Standort neben einer Drogenentzugsklinik (Psychiatrische Kliniken Beverin) und einem Asylheim (Rheinkrone Cazis) die richtige Wahl ist.

Die Regierung sieht sieht den Import von Kriminellen aus anderen Kantonen hingegen rosig. Hier heißt es, mit der Realisierung der geplanten Justizvollzugsanstalt entstehe „namentlich für die Region Domleschg / Heinzenberg ein erhebliches Wertschöpfungspotential„.

Neubau geschlossene Justizvollzugsanstalt in Realta, Luftaufnahme

Neubau geschlossene Justizvollzugsanstalt in Realta, Luftaufnahme
(alle Fotos: Hochbauamt Graubünden)

Und weiter:

Die neue Anstalt wird rund 110 Mitarbeiter beschäftigen, wobei rund 80 Stellen gänzlich neu zu besetzen sind und circa 30 bestehende Arbeitsplätze von der JVA Sennhof verlegt werden. Auch das umliegende Gewerbe wird von der Ansiedlung dieser Ostschweizer Konkordatsanstalt profitieren können. Der Neubau ist deshalb auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht für den Kanton Graubünden von großer Bedeutung.

Zu den sozialen, gesellschaftlichen und anderen volkswirtschaftlichen Auswirkungen findet man jedoch keine Äußerungen in offiziellen Mitteilungen der Regierung.

Grund genug für eine nähere Betrachtung:


Werden die Bauaufträge für die JVA Realta im Domleschg bleiben?

Werden die Bauaufträge für die JVA Realta im Domleschg bleiben?

Kurzfristige Aufträge durch Bauprojekt: Doch wer erhält die Aufträge?

Die Großbaustelle ist bereits in der Phase „Spatenstich“. Anläßlich der jüngsten Sitzung des HGV Domleschg wurde seitens des Vorstands kritisiert, daß Gemeinden, z. B. beim Neubau der Schule Thusis, häufig aus auswärtige Generalunternehmungen setzt anstatt die heimische Wirtschaft zu berücksichtigen. Aus dem Grunde, daß sie nur einen Ansprechpartner wollen.

DZ hat daher beim nachgefragt, ob denn beim Bau die Wertschöpfung auch im Tal bleibe.

Cavigelli: „Gehen von aus, daß allermeisten Arbeiten in Region vergeben werden“

Der zuständige Regierungsrat Mario Cavigelli äußert auf die Frage, wieviele Prozent der Aufträge für den Bau an Firmen im Domleschg und Umgebung gehen, er könne zum aktuellen Zeitpunkt die Frage „kaum zu Ihrer ganzen Zufriedenheit beantworten“.

Die Vergaben der Bauleistungen sind erst im Gang, sehr viele davon stehen für dieses und die kommenden beiden Jahre zudem erst noch an“, erklärt Cavigelli dazu.

Und: „Aktuell ist also erst ein ganz kleiner Teil der Arbeiten ausgeschrieben worden, aussagekräftige Daten liegen derzeit nochnicht vor.

Erfahrungsgemäß gehen wir allerdings davon aus, daß die allermeisten Arbeiten auch bei diesem Bauvorhaben an Unternehmen aus der Region vergeben werden können.“

CVP-Regierungsrat und Anwalt Dr. Mario Cavigelli stellt in Aussicht, die Aufträge würden größtenteils in der Region vergeben (Foto: CVP Ems)

CVP-Regierungsrat und Anwalt Dr. Mario Cavigelli stellt in Aussicht, die Aufträge würden größtenteils in der Region vergeben (Foto: CVP Ems)

Es wird zu beobachten sein, was die Aussagen wert sind

Die Talschaft darf also hoffen. Und es wird zu beobachten bleiben, ob diese Aussage beim Wort zu nehmen ist. Cavigelli erklärt auf Anfrage von DZ weiter:

Das HBA wird entsprechend dem Auftragswert jeweils das tiefst-mögliche Verfahren wählen, nach Möglichkeit also ein Einladungsverfahren oder ein freihändiges Verfahren, und dabei insbesondere regional ansäßige Firmen zur Offertstellung einladen, sofern diese die nachgefragten Leistungen anbieten.

Was aber sind sichere weitere wirtschaftliche Auswirkungen nebst möglichen einmaligen Bauaufträgen?

Neue Arbeitsplätze im Domleschg

Es ist unstrittig, daß im Tal neue Arbeitsplätze entstehen.

Gut für den Immobilienmarkt im Domleschg

Die Arbeitsplätze und auch die Tatsache, daß viele Ex-Häftlinge sich nach Entlassung niederlassen werden, ist zweifellos auch sehr positiv für den Immobilienmarkt, zumindest für Immobilienbesitzer (steigende Liegenschaftspreise), natürlich nicht für Mieter (steigende Mietpreise).

Schön für Hausbesitzer, weniger schön für Mieter: Die Immobilienpreise im Domleschg dürften zusätzlich steigen

Schön für Hausbesitzer, weniger schön für Mieter: Die Immobilienpreise im Domleschg dürften zusätzlich steigen

Steigende Einwohnerzahl in der Talschaft

Zur Jahrtausendwende ging der Kanton von sinkender oder bestenfalls stagnierender Einwohnerzahl im Domleschg (inkl. Talseite Heinzenberg) aus. Wer sich heute umschaut, sieht, daß überall gebaut wird, auch die Statistiken zeigen deutlich steigende Einwohnerzahlen. Die Arbeitsplätze dürften zusätzlich Auftrieb geben.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund.

Es ist allgemein im Tal bekannt, daß viele ehemaligen Gefängnisinsaßen sich in Thusis oder anderen Orten im Tal niederlassen, ebenso wie Entlassene aus den Suchtkliniken.

Der Import von Häftlingen aus anderen Kantonen (St. Gallen, Zürich), der mit der Fertigstellung der neuen JVA einhergehen wird, wird somit auch einen Bevölkerungszuwachs herbeiführen.

Steigende Sozialkosten für Gemeinden 

Allerdings dürfte gerade mit dieser Art Bevölkerungszuwachs auch ein hoher Anteil an Sozialkosten-Zuwachs für Gemeinden in der Talschaft Domleschg einhergehen. Namentlich Cazis und das mit ohnedies hohen Sozialkosten belastete Thusis dürften hier Folgekosten tragen müssen.

Ex-Häftlinge sind verständlicherweise nicht gerade das Publikum, welches besonders gut vermittelbar ist am Arbeitsmarkt.

Auf dem Portal „Der Arbeitsmarkt“ befaßt sich ein Artikel mit dem Thema.

Für Haftentlassene sei die Situation am Arbeitsmarkt „fatal“, heißt es dort und weiter:

Das gegenwärtige Steigen der Einwohnerzahl im Domleschg wird weiter angefeuert

Das gegenwärtige Steigen der Einwohnerzahl im Domleschg wird weiter angefeuert

Strafgefangene und -entlassene verfügen meistens nur über unzureichende berufliche Qualifikationen. Sie haben oft auch aufgrund ihrer kriminellen Laufbahn mit zum Teil mehrjährigen Freiheitsstrafen keinen Beruf gelernt

oder verfügen nur über wenig Berufserfahrung. «Viele haben resigniert», berichtet Martin Erismann
Leiter vom team72, Zürich: «Sie denken, daß sie auf dem Arbeitsmarkt sowieso keine Chancen haben. Sie sind auch häufig derart mit ihren Problemen aus der Vergangenheit beschäftigt, dass es ihnen schwer fällt, ihr Denken und Handeln auf die Zukunft auszurichten.»

Ganzer Artikel hier

In einem Beitrag des deutschen Magazins „Der Spiegel“ beleutet Redaktorin

Almut Steinecke Fallbeispiele von Ex-Häftlingen bei der Arbeitsmarktintegration:

Artikel hier

Remo Maßat

Steigende Sozialausgaben dürften einnigen Gemeinden bevorstehen, namentlich Thusis

Steigende Sozialausgaben dürften einnigen Gemeinden bevorstehen, namentlich Thusis

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