Ein Kommentar von Remo Maßat
Diese Woche findet abermals in Davos das 55. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforum (WEF) statt.
Auch in Thusis ist mal wieder WEF-Zirkus. Dies in Form vom Militär, das schwere Zäune errichtet und sich in Thusis einquartiert.
Wer auf der hochfrequentierten – und natürlich öffentlichen – Straße die von Aldi / Lidl / Landi Richtung Thusis oder umgekehrt führt, läuft und seine Smartfon-Kamera in der Hand hält, der wird festgesetzt von schwerbewaffneten Militäristen.
Die mitsamt Waffen und Hundestaffel auf die Straße rennen. Und auch das Sich-ausweisen nützt nix, die Militaristen nehmen einem sogar die Bankkarten weg und anschließend kommt die Kantonspolizei. So erlebt vom hier Schreibenden.
Ob es solch surreale und wenig rechtsstaatliche Erlebnisse auch in Zukunft noch geben wird?
Immer mehr zeichnet sich ab, daß das WEF an Bedeutung verliert. Und andere Treffen wie zum Beispiel die der BRICS wichtiger werden.
Es fragt sich: Hat das WEF seine große Zeit hinter sich?
Die Besucherzahlen jedenfalls sind kontinuierlich am Sinken.
Hat das WEF verpaßt, sich auf eine von Jahr zu Jahr stärker multipolar werdende Welt auszurichten?
Seit 2020 ging die Zahl der Besucher von 3’000 auf heute 2’600 zurück, davon nur 900 echte Zahler, die den vollen Preis bezahlen, stellte Autor Klaus Stöhlker in einem Beitrag auf dem Portal „Inside Paradeplatz“ fest.
Und bezeichnet in diesem Beitrag die Veranstaltung als so „zweitklassig“ wie Davos.
Was sind die Gründe für immer weniger WEF-Besucher?
Doch woran liegt es, daß das WEF immer mehr an Bedeutung verliert? Es gibt wohl einige handfeste Gründe dafür.
Einmal hat die Schweiz die Neutralität aufgegeben, näherte sich im Turbo-Tempo durch das umstrittene Handeln der abtretenden Bundesrätin Viola Amherd sowohl militärisch an die Nato als auch politisch an die EU an.
Beides, obwohl es notabene vom Volk ausdrücklich nicht gewollt ist. Und beides vor der anstehenden und laut allen Quellen und Erhebungen dazu klar ausgehenden Neutralitäts-Initiative, über die bald abgestimmt werden wird.
Die Schweiz ist allerspätestens seit 2022 kein neutraler Ort mehr, kann keine neutrale Plattform mehr bieten. Dies namentlich, nachdem sie sich im Stellvertreterkrieg zwischen den USA/Nato und Rußland offen gegen letztere Partei positionierte. Und nicht nur dies, sondern sogar in ihrer Positionierung eine Vorreiter-Rolle einnahm. Und etwa die weltweit schärfsten Sanktionen beschloß oder später auch Rußland beim – notabene gescheiterten – Bürgenstock-Gipfel nicht einmal einlud.
Als ob all Solches noch nicht genug wäre, bezeichnete Bundesrat Ignazio Cassis, Zelenskyj (westliche Schreibweise Selenski) auch noch öffentlich als „einen Freund“.
Kein Wunder
Kein Wunder also, wenn die wirklich großen Namen auf dem WEF inzwischen weitgehend fehlen, die Schweiz nicht mehr die Drehscheibe der Vermittlung mehr ist, die sie traditionell immer war.
Sogar schweizerische Politiker distanzieren sich inzwischen
Außerdem hat das WEF in den letzten Jahren einen „richtig schlechten Ruf“ bekommen, wie der deutsche Autor Norbert Häring bereits 2023 in einem Beitrag konstatierte.
Damals etwa versuchte sich die „Young Global Leader“-Politikerin Natalie Rickli krampfhaft vom WEF zu distanzieren.
Hierzu schrieb Häring in einer Ergänzung zum oben verlinkten Beitrag:
„Schlechter Ruf des WEF: In Bestätigung meines Beitrags „Davos bekommt endlich einen richtig schlechten Ruf“, gibt es kurz vor den Wahlen zur Züricher Kantonalregierung ein irreführendes Dementi der Young-Global-Leader-Mitgliedschaft von Regierungsrätin Natalie Rickli (SVP) durch einen Weltwoche-Autor und Parteifreund, das Forum und Rickli selbst.
Wie das WEF an Bedeutung zurückgewinnen könnte
Damit das WEF wieder bedeutender wird bzw. zu seiner alten Bedeutung zurückfindet, müßte es sich an die aktuellen Gegebenheiten anpassen. Und sich auf eine multipolare Welt ausrichten anstatt immer mehr zu einem überwiegend westlich geprägten Stelldichein zu werden.
Denn die Bedeutung anderer Regionen der Welt, die nicht zum Westen gehören, steigt Jahr für Jahr. Und ein Treffen, das dem nicht Rechnung trägt, verliert an Bedeutung.
Hier steht allerdings zu befürchten, daß das WEF diese Kurve nicht kriegen wird, wie der bereits oben erwähnte Autor Stöhlker meint, wobei auch aus nicht denselben Gründen wie den hier angeführten.

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