Domleschger Zeitung hatte Gelegenheit, mit dem neuen Leiter der Abfallbewirtschaftungsverbandes Mittelbünden, AVM, zu sprechen.

Herr Ulber war zuvor Gemeindeschreiber in Bonaduz und ist nun in Cazis tätig, wo der AVM seinen Sitz hat:

Georges Ulber ist neuer Leiter des Abfallbewirtschaftungsverbandes Mittelbünden (AVM)

Georges Ulber ist neuer Leiter des Abfallbewirtschaftungsverbandes Mittelbünden (AVM)

DZ: Guten Tag, Herr Ulber.
Sie sind neuer Leiter des AVM. Wie sind Sie auf diese Stelle gekommen?
Ulber: Ich war 10 Jahre lang Gemeindeschreiber in Bonaduz und machte mir schlußendlich Gedanken zu einer nochmaligen neuen Herausforderung. Die Stelle beim AVM war in der Tagespresse ausgeschrieben. Aufgrund der Situation, daß Bonaduz auch zum AVM-Verbandsgebiet gehört, hatte ich bereits in meiner Gemeindefunktion Kontakt zu dieser Thematik. Zusätzlich sprach mich die Stelle aufgrund des reduzierten Beschäftigungsgrads an.

DZ: Wie gefällt Ihnen die neue Arbeit nach einem halben Jahr?
Ulber: Sie macht sehr Spaß, es gibt ein neues Umfeld und neue Aufgaben. Ich habe mich v.a. auch dank der guten Unterstützung meiner langjährigen und kompetenten Mitarbeiterinnen sehr gut eingelebt, die neue Tätigkeit ist sehr vielseitig.

DZ: Warum war eigentlich die Stelle freigeworden?
Ulber: Mein Vorgänger  hatte eine neue Stelle gesucht, denn es stand aufgrund des Abschlusses verschiedener Projekte keine 100%-Stelle mehr zur Verfügung.

DZ: Was sind das denn für Projekte gewesen, die abgeschlossen wurden?
Ulber: U.a. kam die geplante Erweiterung der bestehenden Schlackendeponie in Unterrealta nach einer mehrjährigen Planungsphase schlußendlich nicht zustande, zudem konnte die Erneuerung/Erweiterung der Abwasserreinigungsanlage ARA Waldau abgeschlossen werden (Die Geschäftsstelle des Abwasserreinigungs-Verbands Heinzenberg-Domleschg ist in diejenige des AVM integriert).

DZ: Der AVM sieht sich als kompetente und unterstützende Stelle für die Gemeinden. Ist es in punkto Umweltschutz sinnvoller, wenn jeder Einwohner einzeln Glas und Blech etc. zum Werkhof fährt oder es an Sammelstellen gesammelt wird? (Verschiedene Gemeinden haben Kontainer (Glas, Blech) usw. abgebaut.)
Ulber: Neben dem Umweltschutzgedanken stellt sich für die Gemeinden immer wieder auch die Kostenfrage. Mit dem Zusammenschluß mehrerer Gemeinden in einem Verband wie dem AVM soll grundsätzlich eine kostengünstigere Abfallentsorgung erreicht werden, welche jedoch auch den ökologischen Aspekt bestmöglichst einbezieht. Bei Überlegungen zu Rationalisierungen stellen sich für die Gemeinden neben den Kosten immer die Fragen, wo und wie zentralisiert werden soll und wie verträglich dies für die Bewohner selbst ist. Bei kleineren Gemeinden bestehen bereits seit Längerem keine alle Recyclinggüter umfassenden Sammelstellen mehr (oder bestanden gar nie) und das Dienstleistungsangebot für den täglichen Bedarf nimmt dort auch zusehends ab. Unter diesem Aspekt kann ein privater Transport der Recyclinggüter zu einer zentralen Sammelstelle Sinn machen (da Einkäufe usw. ebenfalls in einem Ort mit diesem Angebot erfolgen müssen und diese Güter somit gleichzeitig und konzentriert mitgenommen werden können).

Der Sitz des AVM wirkt eher unscheinbar in Anbetracht dessen, welche ein großen Abfallbewirtschaftungsgebiet der AVM unter sich hat. Er ist im Gebäude domiziliert, in welchem sich auch der Schwingklub Heinzenberg befindet.

Der Sitz des AVM wirkt eher unscheinbar in Anbetracht dessen, welche ein großen Abfallbewirtschaftungsgebiet der AVM unter sich hat. Er ist im Gebäude domiziliert, in welchem sich auch der Schwingklub Heinzenberg befindet.

DZ: Bei zentrierten Abfallsammlungsorten in großen Gemeinden, ensteht dann nicht eine Kostenverzerrung? Dahingehend, daß große Gemeinden die Abfallbewirtschaftungskosten der kleinen Gemeinden übermäßig (mit)-tragen müssen?
Ulber: Ein Verband in der Art des AVM umfaßt kleine, mittlere und größere Gemeinden mit unterschiedlichen Ausgangslagen. Bei einer solchen Mitgliederzusammensetzung spielt immer ein gewisser Solidaritätsgedanke mit, damit es für alle Beteiligten kostenmäßig im Rahmen bleibt bzw. tragbar ist. Die Kostenstruktur für die gesamte Abfallbewirtschaftung ist jedoch so aufgestellt, daß sich diese Kosten auch für die großen Gemeinden in erträglichem Rahmen bewegen.

DZ: Evaluiert man denn seitens des AVM die Nutzung der Container und Sammelstellen?
Ulber: Nein, das ist Gemeindeaufgabe. Wir sehen nur, wieviel die einzelnen Gemeinden an Kehricht und Recyclinggütern produzieren. Der regelmäßig anfallende Kehricht soll auch zuküfntig grundsätzlich vor Ort gesammelt werden können.

DZ: Abfallbewirtschaftung und Rezyklierung sind ja ein großer Wirtschaftsbereich. Wieviele Arbeitsplätze hängen an diesem Bereich?
Ulber: Das kann man nicht genau sagen. Sicher ist jede Gemeinde mit Werkhofmitarbeitern involviert sowie zusätzlich mehrere externe Unternehmen wie z.B. die Bühler AG, Candreja AG, GEVAG, Misapor usw. als Transporteure, Sammelunternehmen, Wiederverwerter usw.

DZ: Es bestehen zum Teil Überschneidungen mit anderen Abfallbewirtschaftungsverbänden, z. B. der Gevag. Arbeitet man dort Hand in Hand oder ist es harte Konkurrenz?
Ulber: Die GEVAG ist kein eigentlicher Abfallbewirtschaftungsverband, sondern ein „Kehrichtverwerter“. Somit besteht zwischen AVM und GEVAG auch keine Konkurrenz, sondern ein gutes Verhältnis im Bereich der gegenseitigen Zusammenarbeit.

DZ: Wie lange planen Sie, den neuen Job zu machen?
Ulber: Ich werde 60-jährig, womit Ihre Frage aus meiner Sicht ziemlich beantwortet ist…

DZ: Vielen Dank für das Gespräch

(Das Gespräch führte Remo Maßat)

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